Reisebericht Dezember 2009

von Alicia Metz

Meine Reise hat mich inzwischen nach Tiruvannamalai gebracht. Gestern, nach dem Frühstück, bin ich dann mit den Taschen voller Bonbons runter an die Rezeption meines Hotels. Um Oliver zu treffen. Doch statt Oliver kam irgendwann ein fremder indischer Mann auf mich zu, sagte nichts, aber reichte mir einen Zettel: "Dear Alicia! Good morning. I am sending you my driver. You can come with him. I am in school. We are waiting for your magnanimous visit. Yours Oliver" Ach, ich finde das ja irgendwie toll ... mit überbrachten Nachrichten und geschickten Fahrern. Und noch dazu kam Olivers Fahrer mit einem alten Ambassador-ähnlichen Wagen. Also bin ich mit ihm nach Avalurpet gefahren. Und mein Fahrer hinterher.

Avalurpet ist ein kleines Dorf, etwa 25 km von Tiruvannamalai entfernt. Dort befindet sich die Sophie Konvent School für die kleinen Kinder zwischen 4 und 9. Nachdem wir dort angekommen sind, haben Oliver und ich erst mal einen Chai in seinem Büro getrunken und die letzten Vorbereitungen abgewartet. Um 11 Uhr ging’s dann los. Wir sind oben aufs Schuldach gegangen und dort saßen schon 100 gespannte Kinder, einige geschminkt und verkleidet, und zwei von ihnen hielten ein großes Schild mit einem Willkommensgruß für mich in die Luft. Oliver sagte dann ein paar Worte und ich wurde richtig begrüßt, in dem mir ein kleines Mädchen eine riesige Blumenkette um den Hals gehängt hat. Sie waren alle so süß und ich sichtlich gerührt.

Nachdem ich dann auch ein paar Worte an die mindestens 200 indischen Kinderaugen gerichtet hatte, konnte das Unterhaltungsprogramm starten. Volle 2 Stunden wurden mir abwechselnd Tanz, Gesang, Theater und Comedy dargeboten. Von letzterem verstand ich natürlich kein einziges Wort, da alles auf Tamil aufgeführt wurde. Ich fand es trotzdem toll und bald tat mir das Gesicht vom Dauerlächeln weh. Aber die Kinder schauten so stolz und haben sich so viel Mühe gegeben, dass ich einfach weiter lächeln musste.

Nach dem Programm kam dann noch der Weihnachtsmann - ich hatte bis zu diesem Zeitpunkt schon wieder vergessen, dass ja eigentlich Winter ist - und einige Gebete wurden gesprochen. Bevor wir uns dann verabschiedet haben, konnte ich noch meine Bonbons verteilen. Einen für jedes Kind. Zum Glück haben sie gereicht. So viele glückliche Gesichter auf einmal. In solchen Momenten weiß man nicht, ob einem das Herz vor Freude hüpfen oder vor Mitgefühl schwer werden soll. Irgendwie beides.

Diese Kinder stammen zum Großteil aus ganz niedrigen Kasten und sie sind oft die ersten in ihrer Familie, die lesen und schreiben lernen. Sie stammen aus ärmsten Verhältnissen und man sieht es ihnen auch zum Teil an. Aber nicht während sie singen und tanzen und Bonbons bekommen. In dem Moment sind sie einfach Kinder. Sie lachen, freuen sich, sind dankbar für die kleinsten Dinge. Die Leichtigkeit und die Unbeschwertheit dieser Kinder lässt so vieles verblassen ... denn es gibt so viel wichtigeres.

Nachdem ich noch ein paar Fotos gemacht habe, sind wir dann nach Gengapuram gefahren, in die zweite Schule. Wieder 20 km weiter und noch ländlicher. Keine befestigten Straßen mehr. Hier gehen die größeren Kinder in die Schule und hier lebt Oliver mit seiner Familie und Father John. Als wir ankamen hat Father John schon im Hof gewartet. Rechts und links wieder hunderte Kinder. Diesmal bekomme ich eine noch größere Blumenkette und Applaus. Ehrengast zu sein, ist irgendwie nichts für mich. Dann haben wir uns in die Mitte der Kinder gesetzt und nachdem Father John ein paar Worte gesagt hat, war ich wieder dran. Und dann hat Father John mir und den Kindern die Geschichte erzählt, die unsere Familien verbindet.

Nachdem Father John fertig erzählt hat, haben wir uns in einen kleinen schattigen Garten gesetzt und geredet und gegessen. Immer mit ein paar Kindern um uns herum. Manche haben sich sogar getraut, mir auf Englisch eine Frage zu stellen. Es ist so ruhig und friedlich in Gengapuram. Wirklich schön.

Irgendwann am Nachmittag haben wir uns dann auf den Weg zurück nach Tiruvannamalai gemacht. Dieser Besuch hat mir sehr viel bedeutet und war bestimmt nicht mein letzter.

Alicia Metz