Reisebericht Dezember 2004

von Evelyne Conrads-Rauh und  Wolf Dirk Rauh

Liebe Freunde,

Wolf Dirk und ich sind seit 3 Wochen zurück von unserer Asienreise, die natürlich auch von den katastrophalen Ereignissen rund um das Erdbeben von Indonesien geprägt war. In der ersten, noch unbeschwerten Woche besuchten wir in Süd-Indien „unsere Kinder“ und „unsere Schulen“.

Außer einer Barspende hatten wir Sachspenden mitgebracht: Second-hand-Kinderkleider, zweihundert Kugelschreiber, mehrere große Taschenlampen nebst Ladegeräten, Malstifte, Plüschtiere, Puppen und andere Spielsachen, Vitamintabletten und kiloweise Süßigkeiten.

An dieser Stelle möchten wir allen herzlich danken für die gespendeten Sachen! Wie auch beim letzten Mal stellen sich zum Schluss sogar die Lehrer für einen Kugelschreiber in die Schlange. Man kann sich hier kaum vorstellen, welch eine Besonderheit ein Kugelschreiber oder eine Minitüte Gummibärchen dort bedeutet!

Wir wurden sehr herzlich empfangen, die Kinder haben kleine Tanzvorführungen geboten und haben uns viele Fragen gestellt, z.B. was wir denn gelernt und ob wir eine Schule besucht hätten.

Seit unserem letzten Besuch Ende 1999 hat sich viel getan. Das Schulgebäude der Vor- und Grundschule Sophie Convent in Avalurpet ist nun fertiggestellt. Es gibt einen großen angrenzenden Garten für die Pausen. Hier werden z.Zt. 190 Schülerinnen und Schüler von 9 Lehrern unterrichtet.

Die High School in Gengapuram zählt inzwischen 167 Schüler. (1999 waren es 50!) 6 Lehrer sind hier tätig. Für die gewachsene Anzahl der Schüler wurde ein neues Gebäude erstellt und somit können nun alle Schüler in einem festen Gebäude unterrichtet werden.

Beide Schulen sind für die Kinder kostenfrei, ebenso die Lehrmittel und Schuluniformen sowie das tägliche Mittagessen. Die Schüler beider Schulen sind christlichen, muslimischen und hinduistischen Glaubens, bei letzteren natürlich viele aus den untersten Kasten. Die Eltern dieser Kinder können sich das normal übliche Schulgeld von ca. € 3.- pro Monat einfach nicht leisten, dazu würden die Nebenkosten für Uniformen etc. kommen. Zum besseren Verständnis der Verhältnisse: ein Lehrer verdient monatlich ca. 35 € bis 40 €.

Beide Schulen liegen in sehr weit abgelegenen Dörfern in ausgesprochen ländlicher Umgebung. Die Menschen hier leben hauptsächlich von Reis-, Mais- und etwas Gemüseanbau und brauchen ihre Kinder auch bei der Feldarbeit. Der Reverend ist weiterhin unermüdlich unterwegs um Eltern davon zu überzeugen, ihre Kinder kostenfrei zur Schule zu schicken, damit sie bessere Chancen für ihre Zukunft haben.

Die Kinder der High School besuchen diese 5 Jahre lang, von der 6. bis zur 10. Klasse. Einige der besonders guten Schüler hoffen anschließend ein College besuchen zu können, andere werden für die Staatliche Technische Schule vorbereitet, wo sie zu Elektronikern ausgebildet werden. Manche gehen aber auch zurück in ihre Familien, um weiterhin in der Landwirtschaft zu arbeiten. Aber sie können – im Gegensatz zu ihren Eltern – lesen, schreiben und rechnen und verfügen über einige Englisch-Kenntnisse.

Ein neues Projekt der Schulleitung ist die Einrichtung einer Computerklasse in Gengapuram, damit auch auf diesem Gebiet Kenntnisse erworben werden können. Außerdem wurden bereits zehn Nähmaschinen angekauft. Auch damit stehen die Chancen für spätere Berufsaussichten sehr viel besser.

Unser Verein zählt zur Zeit dreizehn regelmäßige Spender, die zwanzig Kinder unterstützen, d.h. wir schicken monatlich ca. 260 € nach Indien, was wiederum bedeutet, dass allein von unseren Beiträgen ca. 8 Lehrer bezahlt werden können. Zusätzlich erhalten wir auch einmalige Spenden von Freunden und Bekannten, so dass der Betrag insgesamt höher liegt.

Es gibt inzwischen jeweils eine Gruppe aus Spanien und aus Frankreich, die sehr viel für die Schulen tun. Aus diesen Geldern werden die notwendigen Gebäude und technisches Material finanziert. Unser Geld wird voll und ganz für den Unterhalt der beiden Schulen eingesetzt.

Liebe Freunde, soweit unser Bericht. Wir können Euch allen nur empfehlen, auch einmal persönlich die Schulen in diesem faszinierenden Land zu besuchen. Es ist ein Erlebnis!

Wir möchten Euch danken für Eure Treue und Großzügigkeit. Auch wenn es in einem Land mit über 1 Milliarde Einwohner nur wie ein „Tropfen auf den heißen Stein“ wirkt, auch stete Tropfen erfüllen ihren Zweck. Diese Kinder haben durchweg bessere Chancen als ihre Eltern sie jemals hatten. Es ist schön, dass wir dabei behilflich sein können.

Hattingen, im Januar 2005

Evelyne Conrads-Rauh und Wolf Dirk Rauh